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Alle, alle lieben Dich (Stewart O’Nan)

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So, Buchrezensionen nun aber mal auf deutsch. Alle, alle lieben Dich ist der aktuelle Wurf des amerikanischen Autors Stewart O’Nan, von mir sehr geschätzt seit Speed Queen (später als Hörbuch gesprochen von Charlotte Roach, damals noch gepierct und angestellt bei VIVA). Dabei ist der Übersetzer Thomas Gunkel in meinen Augen ein treuer Begleiter, der seine Arbeit immer sehr gut gemacht hat.

Hier klingt im Grunde schon die Einschränkung mit: Obwohl vom Aufbau der Geschichte alles wie gewohnt und durchaus spannend ist, gefällt die Übersetzung diesmal nicht. Es kann daran liegen, dass die Geschicht der Suche der vermissten Tochter einfach zu langatmig ist, glaube ich aber nicht. Ich fühlte mich gestört von Dingen wie der Übersetzung von Star Trek – The Next Generation in Die nächste Generation. Das stimmt zwar, passte aber nicht rein. An verschiedenen Stellen wurde den Akteuren ein Wortschatz in den Mund / den Kopf gelegt, der mir nicht passend erschien. Die dauerchattende Tochter wirkte auf mich übertrieben reflektierend und intelligent.

Zur Geschichte: Es ist Sommer, die Kinder sind am Strand und bereiten sich im Grunde darauf vor, dass kleine Nest zu verlassen und irgenwo auf College zu gehen, es wird getrunken, gekifft, und was Jugendliche sonst halt so machen. Kim verschwindet. Die Polizei macht erstmal nicht, da eine 18jährige das Recht hat, von zu Haus fernzubleiben. Es wird auf freiwilliger Basis selbst gesucht und organisiert, es gibt Spendenaufrufe für Belohnungen und und und. Das ganze Programm. Ich fühlte mich an die Kampagnen und Geschichten rund um die Entführung der kleinen Maggy (wie auch immer) erinnert.

Kim wird nicht gefunden, die Eltern haben einen Verdacht, es passt alles nicht. Man klammert sich an jede Kleinigkeit. Das organisieren der Hilfsaktionen wird bald zum Lebensinhalt der Mutter, sie engt dadurch alle anderen auch oder vor allem in ihren Möglichkeiten der Trauer ein. Der Vater – eh schon kümmerlich mit Emotionalität ausgestattet – kehrt sich nach innen, die 2. Tochter macht den Ex-Freund ihrer Schwester an.

Das alles über mehr als 400 Seiten, am Ende auch mit Auflösung. Es lohnt sich nicht wirklich, das Buch zu kaufen, aber als O’Nan-Fan kam ich nicht vorbei. Bis auf die Makel wieder eine große Schrift, sehr gutes und flüssiges Lesen, gescheite Sätze und einiges an Freude.

Written by Rayk Fenske

March 14, 2009 at 9:34 pm

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