mustERkennung

mustERkennung … stuff about patterns and their recognition

Über Grenzen

leave a comment »

Vor ein paar Wochen habe ich mich damit beschäftigt, eine Grenze zu meinem Nachbarn zu bauen, also einen Graben auszuheben und dann sogenannte Tiefborde zu setzen, insgesamt zirka 21 Meter. Es gibt keinen wirklichen Grund für diesen Bau. Die beiden Grundstücke sind auf dem gleichen Niveau, der Mutterboden hätte einfach verteilt werden können, für die anstehenden Pflasterarbeiten für Auffahrt und so weiter hätte auch eine andere, unterm Strich günstigere Lösungen gefunden werden können.

Vor ein paar Wochen mehr war ich in Berlin, habe eine gute Bekannte getroffen und wir haben uns im Lauf des Abends über Normalität unterhalten. Inhaltlich möchte ich das an dieser Stelle gar nicht vertiefen, aber hier wird eine inherente Eigenschaft von Systemen deutlich: Die Grenze, die Abgrenzung zur Umwelt, zu anderen Systemen. Die Distinktion. Das binäre Verhältnis, drin / draussen, normal / nicht normal, etc.

Was ist die Grenze oder eine Grenze. Mit Schnittstellen hat das erstmal wenig zu tun, jedoch sind diese notwendig, um die Grenze auch als solche wahrzunehmen. Halt. Grenzen gibt es nicht, es sind virtuelle Konstrukte von oder besser zwischen Systemen. Ohne andere Systeme brauche ich keine Grenzen, ohne Komunikation mit diesen anderen Systemen brauche ich keine Schnittstellen. Ohne beides bin ich nicht.

Was kann das heissen? Zum einen unterstützen mich erkannte Grenzen bei der Definition meiner Individualität, prägen in der Zeit der Erziehung (hier vielleicht ohne zeitliche Befristung) gesetzte Grenzen meine Selbstwahrnehmung als Individuum. Zum anderen benötige ich die anderen, und wichtig, die Kommunikation mit ihnen, um eine Art Existenzberechtigung zu haben. Ohne Kommunikation keine Grenze, ohne Grenze kein System. Vielleicht ist dieser logische Rückschluss falsch, aber er liegt gerade so vor.

Kommunikation sollte hier nicht mit der verbalen mündlichen oder schriftlichen verwechselt werden, sondern beinhaltet auch die asynchrone, nicht durch Prüfungen abgesicherte Interaktion mit der Umwelt. Etwas, das immer stattfindet.

Etwas, dem ich mich zu entziehen versuche? Wie ist das nun ohne Grenzen? Wie ist das, wenn ich während meiner Prägung keine erfahren habe (ausser, dass Schokoriegel bezahlt gehören)? Es könnte zu “grenzenlosem” Hedonismus führen. Es könnte dazu führen, “Grenzerfahrungen” zu suchen. Es könnte aber auch zu einem nach Innen gekehrt sein führen, einem Verneinen einer äußeren Welt.

Ganz so ist es nun nicht. Aber was ist mein ganz persönliches Normal, wo sind meine Grenzen? Wann kommt der Moment, auf den ich seit Jahren warte (also jetzt nicht sehnsüchtig) und mir jemand wegen irgendeiner am Ende doch bewusst hingerotzten Bemerkung deftig was auf die Fresse gibt? In der physischen Welt ist es einfach. Sowohl im Osten, also auch im Norden und Westen sind Winkelstützen und Tiefborde aus Beton um das Grundstück, im Süden ist die Straße. Alles da drin ist meins, alles ist klar auch für die anderen.

Ich selbst habe keine Tiefborde um mich herum. Ich weiss nicht, wo die Grenzen sind.

Auf dem Weg Richtung Limes verliert man die Kameraden!

Written by Rayk Fenske

August 18, 2009 at 8:38 pm

Posted in Uncategorized

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: